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Robotik in der Gesundheitswirtschaft - Einsatzfelder und Potenziale
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Robotik in der Gesundheitswirtschaft - Einsatzfelder und Potenziale
von: Barbara Klein, Birgit Graf, Inga Franziska Schlömer, Holger Roßberg, Karin Röhricht, Simon Baumgarte
Medhochzwei, 2017
ISBN: 9783862163892
170 Seiten, Download: 14822 KB
 
Format: EPUB
geeignet für: geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones Online-Lesen PC, MAC, Laptop

Typ: B (paralleler Zugriff)

 

 
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1 Management Summary


Welche Potenziale für die Gesundheitsversorgung liegen in der Robotik? Wie können diese Potenziale gehoben werden? Welche technischen, politischen und rechtlichen Hürden gibt es und wie können sie überwunden werden?

Mit diesen Fragen haben sich die Forschungsgruppe Assistive Technologien an der Frankfurt University of Applied Sciences und die Abteilung Roboter- und Assistenzsysteme des Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) im Auftrag der Stiftung Münch im Zeitraum von Februar bis Oktober 2017 befasst. Dabei wurden die Anwendungsfelder Rehabilitation, Altenpflegeeinrichtung, Krankenhaus, ambulante Pflege und das selbständige Wohnen zu Hause betrachtet. Ziel war es, diese Analyse nicht auf technisch induzierte Neuerungen zu beschränken, sondern die Perspektiven und Anforderungen von Vertretern der Gesundheitswirtschaft mit einzubeziehen. Für dieses Vorhaben wurden in einem mehrstufigen Verfahren zunächst bekannte Praxisanforderungen sowie der aktuelle Stand der Technik und Forschung der Robotik im Gesundheitswesen zusammengestellt. In der Rehabilitation lag der Fokus auf Exoskeletten und robotischen Trainingsgeräten. Für die Unterstützung des Personals in stationären Einrichtungen und der ambulanten Pflege wurden Roboter in den Bereichen Logistik und Reinigung betrachtet sowie Entwicklungen bei intelligenten Pflegehilfsmitteln, Telepräsenz-, Diagnose- und emotionalen Robotern. Interaktions- und komplexe Assistenzroboter sowie Mobilitäts- und Handhabungshilfen wurden im Bereich der Unterstützung älterer und pflegebedürftiger Menschen zuhause beleuchtet. Darauf aufbauend wurden Anwendungsszenarien definiert und mit 27 Experten des Gesundheitsmarktes in Einzelgesprächen und vertiefenden Fokusgruppengesprächen diskutiert und bewertet. Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie lassen sich in den folgenden zentralen Aussagen zusammenfassen.

Robotik bietet wesentliche Potenziale zukünftig eine qualitativ hohe Gesundheitsversorgung aufrecht zu erhalten. Die demografischen Veränderungen und der daraus resultierende Fachkräftemangel gehören zu den bedeutendsten gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft. Diese Lücke zwischen Nachfrage und Angebot an Fachkräften bietet ein vielversprechendes Anwendungsfeld für innovative Technologien. Durch die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung in allen gesellschaftlichen Bereichen hat das Thema Robotik auch in der Gesundheitswirtschaft in den vergangenen Jahren eine zunehmend höhere Aufmerksamkeit erreicht. Der Einsatz von Robotern kann dabei eine richtungsweisende Maßnahme sein, Prozesse effizienter zu gestalten und so knappen Personalressourcen zu begegnen.

Wenige robotische Produkte, viele Prototypen. Kurz- bis mittelfristig könnten Roboter in allen betrachteten Bereichen mit unterschiedlichen Graden der Automatisierung zum Einsatz kommen. Aktuell sind jedoch erst wenige Produkte auf dem Markt erhältlich und werden nur vereinzelt in der Praxis eingesetzt. In vielen Fällen handelt es sich bei der Entwicklung und Erprobung robotischer Assistenzsysteme in der Praxis um Prototypen, die in dieser Form noch nicht verkauft werden. Eine Vorreiterrolle für den Robotereinsatz nimmt beispielsweise die neurologische Rehabilitation ein, in der der Einsatz von robotischen Systemen bereits heute in großen Teilen etabliert ist. Die parallele Betreuung mehrerer Patienten und die erhöhte Trainingsintensität und Präzision sprechen hier für den Einsatz von Robotern. In der stationären Pflege bieten sich für die Roboterunterstützung Routinetätigkeiten an, die keiner direkten Interaktion mit hilfe- und pflegebedürftigen Menschen bedürfen. Für den automatisierten Warentransport werden in Großkrankenhäusern bereits fahrerlose Transportfahrzeugen zur Ver- und Entsorgung von Gütern des täglichen Bedarfs wie z. B. Patientenessen, Wäsche, Wert- und Reststoffen eingesetzt. Zukünftig ist zu erwarten, dass die Automatisierung der Logistik mittels mobiler Roboter auch auf den Transport innerhalb von Stationen und Wohnbereichen erweitert wird. Dies gilt ebenso für Krankenhäuser wie für Rehabilitations- und Altenpflegeeinrichtungen, die meist eine Folgestrategie gegenüber den Krankenhäusern verfolgen.

Trotz der notwendigen Interaktion zwischen Mensch und Roboter wird überdies die Telemedizin kurz- bis mittelfristig an Bedeutung gewinnen. Aufgrund der demografischen Entwicklungen wird eine Versorgung unter Einbeziehung telemedizinischer Dienste gerade im ländlichen Raum notwendig werden. Dabei können robotische Assistenzsysteme bei der Diagnostik, dem Monitoring und der Behandlung unterstützend eingesetzt werden. Mittlerweile gibt es auch diverse positive Einsatzerfahrungen mit emotionaler Robotik. Ihre Potenziale werden mittelfristig vor allem bei Menschen mit Demenzerkrankungen gesehen. Auch für das selbständige Leben zu Hause ist eine Zunahme an assistiven Technologien zu erwarten. Robotische Rollatoren und Rollstühle sowie Interaktions- und Kommunikationsroboter, die im Haushalt einfache Transportaufgaben übernehmen, an Aktivitäten des täglichen Lebens erinnern und die Kommunikation mit der Außenwelt unterstützen, könnten mittelfristig Einzug in Haushalte finden.

Über die Grenzen des Gesundheitssystems hinweg ist es erforderlich, den Mensch in den Mittelpunkt der Versorgungssysteme zu stellen. Während sich die Akteure des Gesundheitswesens die Einbindung neuer Technologien in die Versorgungsstrukturen und Versorgungsketten erhoffen, um langfristig eine qualitativ hochwertige Versorgung zu gewährleisten, erschwert aktuell besonders die sektorale Abgrenzung die Innovationsorientierung. Vor allem Politik und Gesetzgeber müssen zukünftig verstärkt die ganzheitliche Betrachtung der hilfe- und pflegebedürftigen Menschen und ihrer Lebensqualität in den Mittelpunkt der Versorgungssysteme stellen. Nur durch eine sektorenübergreifend angelegte Behandlung und Betreuung kann einerseits die Gesundheit der Menschen wiederhergestellt, gefördert und aufrechterhalten werden, andererseits bietet ein ganzheitlicher Ansatz, über sektorale Grenzen hinweg, auch sozioökonomische Vorteile, die durch eine längere Mobilität und Teilhabe älterer und kranker Menschen erzielt werden können. Unterstützend können dabei Ausgleichsmodalitäten zwischen den Sektoren wirken und das Heben der Potenziale der Robotik ermöglichen. Dabei wird es zunehmend wichtig, den Informationsaustausch zwischen den Akteuren des Gesundheitsmarktes zu fördern und die Souveränität der Patienten anzuerkennen.

Ausbau und Intensivierung der Forschungsförderung im Gesundheitswesen. Forschungsbedarf gibt es von der (technologischen) Grundlagenforschung über die Prototypenentwicklung und Optimierung der Roboter für den Einsatz in Alltagsumgebungen bis hin zur Erprobung im Gesundheitswesen. Um hinsichtlich des tatsächlichen Nutzens einer neuen technischen Lösung im Gesundheitswesen valide Aussagen treffen zu können, sind großangelegte Studien unter Einbeziehung der Nutzer und Nutzungskontexte notwendig. Hierfür ist es essentiell, den Schritt von kurzzeitigen Nutzerstudien, die primär der Analyse von technischer Machbarkeit und Usability dienen und die typischerweise von technischem Personal begleitet werden, hin zu längerfristigen Erprobungen zu gehen, die eine Integration der Technik mit vorhandenen Arbeitsprozessen sowie die selbstständige Bedienung der Roboter von den betroffenen Nutzergruppen erfordern. Die Fruchtbarkeit der Forschungsförderung kann durch mehr Flexibilität und den Abbau von Regularien und Administration und ebenso durch die Förderung von Start-ups bzw. Kleinunternehmen intensiviert und beschleunigt werden. Treiber im internationalen Kontext sind Interdisziplinarität, Berücksichtigung der Nutzungskontexte sowie die Anwendung innovativer Verfahren und Methoden.

Schaffung einer Informationskultur für mehr Akzeptanz gegenüber Robotern. An diversen Stellen wird der Robotik viel Skepsis entgegengebracht. Dies ist häufig auf Unkenntnis und Unerfahrenheit gegenüber den Möglichkeiten, aber auch den Grenzen des Robotereinsatzes zurückzuführen. Eine Informationskultur, die allgemeinverständlich über neue Technologien informiert, kann hier Abhilfe schaffen. Der offene Dialog zwischen allen Akteuren des Gesundheitswesens, zum einen mit Leistungserbringern und Kostenträgern, Wissenschaftlern sowie Herstellern, zum anderen mit der breiten Bevölkerung muss dafür intensiviert werden. Weiterhin muss die Schaffung von Berührungspunkten mit neuen Technologien, beispielsweise durch Schulungen, Informationsforen, Feldversuchen oder Ausstellungen zukünftig vorangetrieben werden, um die Schaffung einer Akzeptanz-Kultur und ein realistisches Bild der Potenziale der Robotik zu fördern. Hier kann Deutschland von anderen „Roboternationen“ wie Japan oder Südkorea lernen, die durch eine proaktive Informationspolitik eine innovationsoffene Gesellschaft begünstigen.

Die Aus- und Weiterbildung im Gesundheitswesen muss sich strategisch neu ausrichten. Die verstärkte Nutzung von Robotik im Gesundheitswesen ist ein bedeutendes gesellschafts- und bildungspolitisches Thema und muss in der beruflichen Aus- und Weiterbildung zukünftig stärker vertreten sein. In allen Bereichen des Gesundheitswesens wird aufgrund der wachsenden Technisierung und Digitalisierung eine ergänzende Qualifizierung des Personals erforderlich. Dieser Prozess bedarf einer strategischen Gestaltung, um notwendige technische und soziale Kompetenzen zu vermitteln. Vor allem bezüglich der Pflegetätigkeit muss eine gesellschaftliche Aufwertung und Weiterentwicklung...



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